Kunststoffrecycling bei IKT-Produkten | Green ICT Courses

Im fünfzehnten Teil der Videoreihe spricht Theresa Aigner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer IZM, über die Rolle von Kunststoffen in Informations- und Kommunikationstechnologien und erklärt, welche Herausforderungen mit dem Recycling dieser Materialien verbunden sind und welche technologischen und strategischen Ansätze derzeit entwickelt werden, um Kunststoffkreisläufe effizienter zu gestalten.

Warum ist das Recycling von Plastik im Bereich der IKT wichtig? 

Kunststoffe sind in elektronischen Geräten wie Smartphones, Laptops oder Druckern allgegenwärtig und machen je nach Gerätetyp einen erheblichen Anteil von bis zu 37 % des Materialvolumens aus. Durch die Zunahme elektronischer Systeme und die Verkürzung der Lebensdauer von Geräten infolge schnellerer Innovationszyklen sowie des Wunsches nach aktuelleren Systemen gewinnt Kunststoff eine zentrale Rolle im Ressourcenverbrauch. Das Recycling dieser Materialien im IKT-Bereich ist daher entscheidend, um den Ressourcenkreislauf zu schließen und damit einen Beitrag zur nachhaltigen Kreislaufwirtschaft zu leisten.

Die Recyclinglücke

Trotz des hohen Wiederverwendungspotenzials der Kunststoffe aus Elektroschrott wird lediglich ein geringer Anteil tatsächlich recycelt. Allein in der EU fallen jährlich 2,6 Mio. Tonnen dieser Abfälle an. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Die Bandbreite an eingesetzten Polymeren, die Vielzahl an Additiven wie Flammschutzmitteln oder Pigmenten sowie die komplexe Bauweise von Elektronikprodukten erschweren eine sortenreine Trennung. Dies führt dazu, dass ein Großteil der Kunststofffraktionen verbrannt, deponiert oder exportiert wird.

Recyclingverfahren im Überblick

Theresa Aigner erläutert im Video drei potentielle Recyclingpfade, die künftig realisierbar sind oder bereits genutzt werden.

1. Mechanisches Recycling

Im mechanischen Recycling erhöhen verschiedene technische Ansätze die Trennqualität der Kunststoffsortierung, um die Recyclingquote zu verbessern und die Materialreinheit zu steigern. Optische Verfahren ermöglichen eine präzise Erkennung der Stoffe, während Atomare Spektraltechnologie und röntgenbasierte Methoden die stoffliche Analyse und Sortierung unterstützen. Maschinelles Lernen kann all diese Prozesse zusätzlich optimieren.

2. Lösungsmittelbasiertes Recycling

Das lösungsmittelbasierte Recycling gilt als vielversprechende Methode, Verunreinigungen aus Kunststoffabfällen zu entfernen und hochwertige Rezyklate zu gewinnen. Durch eine systematische Nutzung der Sinkfraktion, die derzeit vorwiegend verbrannt wird, ließe sich deren Recycling realisieren. Ein Beispiel für lösungsmittelbasiertes Recycling ist der vom Fraunhofer IVV entwickelte CreaSolv-Prozess. Dieses Verfahren eignet sich besonders zur Entfernung von Flammschutzmitteln, Farbpigmenten und anderen Störstoffen.

3. Chemisches Recycling

Beim chemischen Recyclen werden Kunststoffe in ihre Monomere zerlegt, die erneut als Ausgangsstoffe für die Kunststoffproduktion genutzt werden können. So lässt sich Abfallvolumen reduzieren und die Verbrennung oder Deponierung vermeiden. Da chemisches Recycling jedoch energie- und ressourcenintensiv ist, sollte es als Ergänzung zum mechanischen Verfahren betrachtet werden. Zu den wichtigsten Verfahren zählen hier Depolymerisation, Pyrolyse und Vergasung.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie im Video.

©Fraunhofer IZM

Zu den anderen Schulungsvideos der Videoreihe

FMD.institute mit Bezug zu diesem Text

FMD.projekte mit Bezug zu diesem Text