09.11.2023 News Interviews

Ideen für die Technologie von morgen | Über zwei neue Förderprogramme der FMD

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Im Interview: Dr. Daniela Hübler — Projektkoordinatorin für den »Green ICT Space« und den »QNC Space«

Für Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bietet die Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland (FMD) seit 2023 zwei Förderprogramme: Der »Green ICT Space« richtet sich an Start-ups und KMU mit einem ökologischen Geschäftsmodell und unterstützt sie bei der Entwicklung von Prototypen oder Demonstratoren im Bereich nachhaltiger Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Start-ups, KMU und Forschungsgruppen, die sich mit wissenschaftlich-technischen Fragestellungen mit Bezug zum Quanten- und neuromorphen Computing auseinandersetzen, können sich für die Teilnahme am Programm »QNC Space« bewerben und werden bei der Erarbeitung innovativer Einzelprozesse, Prozessmodule und Teilsysteme unterstützt. In beiden Programmen profitieren die Teilnehmenden vom niedrigschwelligen Zugang zur Infrastruktur der in der FMD kooperierenden Institute.

Im Gespräch mit Tobias Schlichtmeier von elektroniknet.de, WEKA Fachmedien GmbH erklärt Dr. Daniela Hübler, Projektkoordinatorin für den »Green ICT Space« und den »QNC Space«, worum genau es in den Förderprogrammen geht und wie der Bewerbungsprozess abläuft.

 

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Frau Dr. Hübler, können Sie den ersten Accelerator, den »Green ICT Space«, näher beschreiben? Welche Ziele verfolgen KMU und Start-ups hierin?

Das Kompetenzzentrum »Green ICT @ FMD« startete im August letzten Jahres und beinhaltet als Teilprojekt ein Förderprogramm für nachhaltige Start-ups und KMU, den Green ICT Space. Bei diesem können sich Gründer:innen sowie kleine und mittelständische Unternehmen mit ihrer Produktidee für nachhaltige IKT-Produkte bei uns bewerben. Ziel des Green ICT Space ist es, nachhaltige IKT-Hardware in Form von Demonstratoren und Prototypen für die Start-ups und KMU anzufertigen. Hiermit wollen wir das Bewusstsein für eine nachhaltige Entwicklung stärken und gleichzeitig diejenigen gezielt unterstützen, die sich bereits intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen.

Der Bewerbungsprozess läuft über unsere Homepage. Interessierte müssen lediglich einen Fragebogen sowie ein kurzes Anmeldeformular ausfüllen. Für die Teilnahme am Bewerbungsprozess haben wir Kriterien hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Geschäftstätigkeit aufgestellt. Wenn sich Start-ups und KMU bereits für ein Reduzieren des CO₂-Fußabdrucks, Hardware-Ecodesign, eine nachhaltige Digitalisierung, einen nachhaltigen Konsum sowie ein nachhaltiges Geschäftsmodell einsetzen, ist die erste Hürde bereits geschafft. Mindestens zwei der fünf Kriterien sollten die Bewerber:innen erfüllen.

Was passiert, wenn ein KMU oder Start-up seine Bewerbung eingereicht hat?

Unsere Expert:innen in der Berliner Geschäftsstelle prüfen die Bewerbung anhand der festgelegten Kriterien und dahingehend, ob die Ideen mithilfe unserer Institute umsetzbar sind. Wenn ja, führen wir ein Erstgespräch mit dem Bewerber oder der Bewerberin durch – die erste Bewerbungsrunde endete am 30. Juli 2023; die Erstgespräche haben wir Ende September abgeschlossen.

In den Gesprächen haben wir hinterfragt, was die Bewerber:innen innerhalb des Projektzeitraums erreichen, welches Produkt sie bei uns entwickeln möchten und wobei wir sie unterstützen können. Ein finanzielles als auch personelles Problem ist für viele kleine Unternehmen und Start-ups das Nutzen von Reinräumen und der darin bereitstehenden High-Tech-Infrastruktur. Genau das ermöglichen wir den Bewerber:innen: ihre Produktidee an Maschinen und Anlagen auf dem aktuellen Stand der Technik in unseren Reinräumen zu entwickeln.

Wie geht es weiter, wenn mein Unternehmen ausgewählt wurde?

»Nach dem Erstgespräch prüfen wir, welche FMD-Institute zum jeweiligen Unternehmen passen, und vernetzen sie miteinander. Anschließend erstellt das Unternehmen einen Projektsteckbrief, der alle Details beinhaltet, unter anderem einen Arbeitsplan und den finanziellen Rahmen. Anschließend geht es für die Bewerber:innen in die Pitches, bei denen noch einmal alle Fragen der Jury beantwortet werden können. Die finale Auswahl erfolgt auf Grundlage des Projektsteckbriefs und des Pitchs.

Welche Art von Unternehmen möchten Sie mit dem Projekt fördern?

»Es geht darum, Unternehmen und Projektideen zu fördern, die sich auf Nachhaltigkeit, reduzierten Energieverbrauch und verminderten Schadstoffausstoß fokussieren. Wir wollen Start-ups und KMU unterstützen, die sich in dem Bereich stark betätigen, die etwas erreichen wollen und die sich für die Reduktion des CO₂-Fußabdrucks einsetzen. Alle weiteren Kriterien für die Auswahl der Green-ICT-Space-Projekte beziehen sich auf den technologischen Reifegrad des zu entwickelnden Produktdemonstrators und des Produktes selbst, also welchen Einfluss die Technologie in Hinblick auf die Nachhaltigkeit im Bereich IKT hat.

Gerade Start-ups haben es oft schwer, einen passenden Markt, die passende Nachfrage zu finden. Wie unterstützen Sie diese hierbei?

Wir versuchen, das Potenzial eines Produktes zu finden und zu fördern, und sehen uns genau an, welchen Background die Teams haben. Gerade bei den Start-ups achten wir darauf, dass sie sich am Markt etablieren können, und empfehlen gern passende Programme, die sich dazu eignen. Wir wollen ihnen zudem einen ersten Schub geben, um auf Investorsuche zu gehen – denn die meisten Investor:innen fordern zuerst ein Proof-of-Concept, auf das sie ihre Investition stützen können. Und genau hier setzen wir mit den zur Verfügung gestellten Demonstratoren und Prototypen an.

Wie viele Bewerbungsrunden gibt es und wie hoch ist das Volumen der Fördersumme?

Es gibt insgesamt drei Runden, die erste ist bereits abgeschlossen, die zweite startet am 15. November 2023 und läuft bis zum 15. Januar 2024. Die dritte Runde startet ungefähr Mitte nächsten Jahres. Pro Bewerbungsrunde fördern wir zwei KMU oder Start-ups. Als Fördersumme stellen wir bis zu 250.000 Euro bereit; insgesamt über alle Projekte hinweg sind es etwa 1,5 Mio. €, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für unser Programm zur Verfügung gestellt werden.

Trailer zur zweiten Bewerbungsrunde

Kommen wir zum zweiten Förderprogramm, dem QNC Space. Was darf ich mir darunter vorstellen?

Der QNC Space als Deep-Tech-Accelerator ist ein Förderprogramm für Forschungsgruppen, Start-ups und KMU im Bereich Quantencomputing und neuromorphes Computing und läuft innerhalb des Vorhabens »Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland – Module Quanten- und neuromorphes Computing (FMD-QNC)«. Es ist ein Investitionsprojekt, wird ebenfalls vom BMBF gefördert und ist im Dezember letzten Jahres angelaufen. FMD-QNC ist eine Kooperation aus den FMD-Instituten sowie dem Fraunhofer-Verbund Light & Surfaces, dem Forschungszentrum Jülich und der AMO GmbH. Die Partner investieren in Maschinen und Anlagen, um zur Entwicklung der zukünftigen Hardwarebasis für neuartige Rechentechnologien beitragen zu können.

Der QNC Space richtet sich an Forschungsgruppen, Gründer:innen und Start-ups sowie KMU. Im Unterschied zum Green ICT Space werden bei diesem Förderprogramm jedoch Machbarkeitsstudien durchgeführt, da wir uns beim neuromorphen und insbesondere Quantencomputing in einer frühen Phase des Transfers in die Anwendung befinden und daher keine Demonstratoren oder Prototypen entwickelt, sondern Einzelprozesse, Prozessmodule oder Teilsysteme für die Bewerber:innen erarbeitet werden. Ziel ist es, die Forschung und Entwicklung im Bereich des Quanten- und neuromorphen Computings zu unterstützen und zu beschleunigen. Dies gilt vor allem auch für Enabling-Technologien.

Wer kann sich für den QNC Space bewerben?

Hier können sich nicht nur Start-ups und KMU, sondern auch explizit Forschungsgruppen aus Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen bewerben. Besonders Forschungsgruppen sind Vorreiter in den neuesten technologischen Entwicklungen. Sie forschen in völlig neue Richtungen. Der Wissenstransfer von der Forschungsebene in die Industrie, den man hierfür benötigt, ist für die Forschenden oft sehr schwer umsetzbar. Auch hier geht es um die Nutzung von Reinräumen, von Maschinen und Anlagen.

Wie läuft hier der Bewerbungsprozess ab?

Der Ablauf ist ähnlich wie beim Green ICT Space. Beim Erstgespräch schauen wir unter anderem, ob die gewünschten Prozesse prinzipiell auf unseren Maschinen und Anlagen umsetzbar sind. Im Matching erfolgt dann die Auswahl von passenden Partnern innerhalb unseres FMD-QNC-Konsortiums. Hier sind die möglichen Partner bzw. Institute weiter gefasst als beim Green ICT Space. Letztendlich entscheidet eine Jury nach Potenzial und Skalierbarkeit der Technologie, die sich dahinter verbirgt – in Abhängigkeit von der anvisierten Projektsumme.

Trailer zur ersten Bewerbungsrunde

Gibt es bereits Projekte, die den QNC Space durchlaufen haben?

Wir haben bereits ein Pilotprojekt durchgeführt, um den Prozess zu testen und zu implementieren. Informationen zu diesem Projekt und allen kommenden QNC-Space-Projekten werden auf unserer FMD-QNC-Website zu finden sein.

Wie kann man sich bewerben und welche Voraussetzungen sollte ein Unternehmen mitbringen?

Unternehmen können sich bis zum 15. November 2023 bewerben. Hierfür müssen sie lediglich den dafür nötigen Fragebogen ausfüllen und über die QNC-Space-Website einreichen. Wir fragen ab, in welchem QNC-Thema die Bewerber:innen einen Prozess erarbeiten wollen und welches Ziel sie hierfür verfolgen.

Zudem fragen wir das Alleinstellungsmerkmal der angestrebten Prozesslösung und alternative Lösungsansätze ab, um bereits vor dem Erstgespräch zum einen abschätzen zu können, welche Spezifikationen erreicht werden müssen, und zum anderen, welches Potenzial dahintersteckt. Es ist möglich, dass wir den Bewerber:innen mehr als ein Partner-Institut zuweisen, um mehrere Prozessschritte zu erarbeiten, die dann zu einem innovativen System zusammengeführt werden können.

Wir fragen außerdem ab, welche Herausforderungen es in dem Thema gibt und welche Versuche unternommen wurden, diese zu lösen. Wir wollen damit abschätzen, wie weit die Entwicklung dahinter bereits vorangeschritten ist. Übrigens: Auch für den QNC Space wird es im nächsten Jahr eine weitere Bewerbungsrunde geben.

Projektporträt »QNC Space«

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