10.02.2026 Expertise Close-ups

Quantendiamantmikroskop | Präzise Fehleranalyse von komplexen Halbleiterstrukturen mittels Quantensensorik

Wie können Fehler in komplexen, mehrlagigen Chipstapeln gefunden werden? Das Fraunhofer EMFT nutzt dafür Quantentechnologie, bzw. ein Quantendiamantmikroskop. Damit lassen sich Magnetfelder und Stromflüsse in Mikrochips mit höchster Präzision visualisieren, ganz ohne aufwendige Kühlung oder zeitintensives Abrastern der Proben.

Fehlerlokalisierung durch NV-Zentren im Diamanten

Herkömmliche Methoden zur Fehleranalyse defekter Chips stoßen oft an ihre Grenzen, wenn es darum geht, Ströme in tief liegenden Lagen oder innerhalb ganzer Chipstapel (Advanced Packaging) exakt zu lokalisieren. Ohne diese exakte Lokalisierung bleibt die genaue Fehlerursache aber oft im Verborgenen, was langwierige Iterationszyklen in der Entwicklung zur Folge hat und die Markteinführung neuer Chipdesigns erheblich verzögern kann. Das am Fraunhofer EMFT in München eingesetzte Quantendiamantmikroskop bietet hier einen entscheidenden technologischen Vorteil. Sogenannte Stickstoff-Fehlstellen-Zentren (NV-Zentren) in einem Diamanten fungieren als hochsensible Quantensensoren und reagieren auf kleinste Magnetfeldänderungen.

Im Gegensatz zu etablierten Verfahren nutzt das Quantendiamantmikroskop eine Weitfeld-Messmethode. Anstatt die Probe zeitaufwendig punktweise abzurastern, liefert das System unmittelbar ein Bild der gesamten Magnetfeldverteilung. Ein signifikanter Vorteil ist zudem der Betrieb bei Raumtemperatur. Da das Mikroskop ohne kryogene Gase zur Kühlung auskommt, ist der Prozess deutlich effizienter und kostengünstiger als bisherige Magnetfeld-Messmethoden (wie z. B. SQUID).

Auf diese Weise können Defekte oder Leckströme mit dem Quantendiamantenmikroskop zerstörungsfrei identifiziert werden. Darüber hinaus eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten im Bereich der vertrauenswürdigen Elektronik. Durch den Vergleich des gemessenen Stromflusses mit dem Design-Sollwert lassen sich Manipulationen oder Hardware-Trojaner aufspüren. Dank der hohen Messgeschwindigkeit ist die Technologie perspektivisch auch für eine prozessnahe Kontrolle direkt in der Halbleiterproduktion einsetzbar.

Quantendiamantmikroskop zur sensitiven Messung von Stromflüssen und Temperaturverteilungen in Mikrochips mithilfe von NV-Zentren.
©Fraunhofer EMFT | Bernd Müller

Quantendiamantmikroskop – Auf einen Blick

Gerät/ Technologie

Quantendiamantmikroskop zur Visualisierung von Stromflüssen in Mikrochips mittels NV-Zentren in Diamant

Standort

Fraunhofer EMFT – München

Leistung

  • Hochsensible Magnetfeldmessung zur Rekonstruktion von Stromflüssen
  • Weitfeld-Messmethode ermöglicht die Erfassung der Magnetfeldverteilung der gesamten Probe ohne zeitaufwendiges Abrastern

Besonderheiten

  • Betrieb bei Raumtemperatur möglich (keine kryogenen Gase zur Kühlung erforderlich)
  • Hohe räumliche Auflösung und Sensitivität gegenüber herkömmlichen Methoden (SQUID, Hall-Sonden)
  • Perspektivisch für den Einsatz direkt in der Halbleiterproduktion geeignet

Kooperation

Fraunhofer IMWS; Anfragen für Kooperationen und gemeinsame Projekte sind erwünscht

Förderung und Projektlaufzeit

Das Gerät wurde im Jahr 2025 im Rahmen der APECS-Pilotlinie angeschafft.

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