Net-Zero und Emissions-Scopes in der Elektronikindustrie | Green ICT Courses

Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Klimaziele konkret messbar und umsetzbar zu machen. Ein zentraler Ansatzpunkt ist dabei das »Net-Zero«-Ziel. Dieses erfordert eine ganzheitliche Betrachtung aller Emissionsquellen – auch über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus. Doch wie lassen sich Emissionen entlang einer globalen Wertschöpfungskette sinnvoll erfassen? Jana Rückschloss, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer IZM, gibt im Rahmen der Green ICT Courses einen Einstieg in die Strategien zur Emissionsminderung und erklärt die Bedeutung des Greenhouse Gas Protocols (GHG).

Das Ziel: Net-Zero-Emission

Das Net-Zero-Ziel ist ein wesentlicher Pfeiler zur Bekämpfung des menschengemachten Klimawandels und strebt die vollständige Neutralität von Treibhausgasen an. Die gesamte Menge an Treibhausgas-Emissionen, die von einem Unternehmen ausgestoßen wird, sollte durch die Bindung der gleichen Menge an Treibhausgasen aus der Atmosphäre ausgeglichen werden. Dies gelingt unter anderem durch den Einsatz erneuerbarer Energien, die Steigerung der Energieeffizienz und die Optimierung energieintensiver Fertigungsprozesse. Gerade in der Elektronikindustrie ist das Potenzial groß, denn allein die deutsche Branche verursachte im Jahr 2022 rund 0,81 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente.

Kategorisierung der CO₂-Emission durch das GHG-Protokoll

Um Einsparpotenziale zu identifizieren, ist eine systematische Erfassung der Emissionen, die Unternehmen ausstoßen, notwendig. Das international anerkannte Greenhouse Gas Protocol (GHG) unterteilt Emissionen hierfür in drei Kategorien, bzw. »Scopes«:

  • Scope 1 – Direkte Emissionen: Emissionen aus betriebseigenen Anlagen und Fahrzeugflotten. Da Unternehmen hier direkten Zugriff auf die Daten haben, ist die Erfassung meist unkompliziert.
  • Scope 2 – Indirekte Emissionen aus Energie: Emissionen, die bei der Erzeugung von eingekauftem Strom, Wärme oder Dampf entstehen.
  • Scope 3 – Indirekte Emissionen der Wertschöpfungskette: Alle weiteren Emissionen, die durch zugekaufte Güter, Logistik, Dienstleistungen und die Entsorgung von Abfällen entstehen.

Herausforderungen bei der Erfassung von Scope 3 -Emissionen

Besonders die Erfassung von Scope 3 stellt die Industrie vor Herausforderungen. Aufgrund der hohen Komplexität und der Verzweigung der Produktionsketten sind Unternehmen oft auf Daten von Zulieferern angewiesen, die nicht immer transparent oder standardisiert vorliegen.

Eine Befragung von 87 Elektronikunternehmen im Rahmen des Projekts »scope3transparent« verdeutlicht die Problematik: Nur ein kleiner Teil der Unternehmen erfasst ihre Scope-3-Bilanz, da es an standardisierten Erfassungs-Methoden fehlt.

Im Video erfahren Sie mehr über Net-Zero und die Umsetzung der Scope-3-Bilanzierung.

©Fraunhofer IZM

Zu den anderen Schulungsvideos der Videoreihe

FMD.institute mit Bezug zu diesem Text

FMD.projekte mit Bezug zu diesem Text