Chip Happens-Podcast: Staffel 2, Folge 1 | Hâ‚‚-Ohne geht es nicht!

Große Probleme brauchen häufig ziemlich kleine Helfer. Der Podcast »Chip Happens – Kleine Dinge, die alles verändern« von Chipdesign Germany zeigt, wie Mikroelektronik und Chipdesign dabei helfen können, die drängenden Fragen unserer Zeit anzugehen – jederzeit nachvollziehbar und alltagsnah.
Das Format richtet sich an alle, die verstehen wollen, wie Technik im Hintergrund wirkt und dennoch zentrale Weichen stellt. Kluge Köpfe aus der Branche sprechen hierfür mit Moderator Sven Oswald über ihre faszinierenden Geschichten, geben überraschende Einblicke und zeigen hautnah die vielen Möglichkeiten, die unser Fachbereich bietet.

Wasser ist Leben. Und Mikroelektronik hilft uns, es zu finden, zu reinigen, zu überwachen und zu bewahren. In Staffel 2 von »Chip Happens«, dem Podcast von Chipdesign Germany, dreht sich alles um das Element Wasser – von der Tiefsee bis ins Weltall.

©Fraunhofer Mikroelektronik

Folge 1 I Hâ‚‚-Ohne geht es nicht!

Zum Start in das neue Leitthema von »Chip Happens – kleine Dinge, die alles verändern« lernen wir Hâ‚‚O erstmal grundlegend anhand seiner molekularen Struktur kennen. Von seiner Entstehung im Weltraum ĂĽber Vorkommen in unserem Sonnensystem bis hin zu Wasserkreisläufen in der Raumfahrt. Mikroelektronik kann eine wichtige Rolle dabei spielen, Wasser zu finden, zu messen, zu reinigen und es intelligent zu nutzen. Dabei sind viele Technologien, welche fĂĽr die Raumfahrt entwickelt werden auch fĂĽr das Wassermanagement auf der Erde sehr nĂĽtzlich.

Zu hören sind in dieser Folge Dr. Florian Aigner, Physiker und Wissenschaftspublizist, welcher uns den Aufbau, die Entstehung und die Besonderheiten des Wassermoleküls erklärt, Ulrich Köhler, Planetengeologe am DLR, welcher uns erzählt, wo in unserem Sonnensystem Wasser verortet werden könnte sowie Volker Schmid, Missionsleiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der uns erklärt, wie auf Raumstationen Wasser gewonnen, aufbereitet und gespart wird.

Worum geht es in der Folge?

Dr. Florian Aigner – Was ist Wasser überhaupt?

Situation:

Wasserstoff (H) ist das häufigste Element im Universum und besteht seit dem Urknall in unvorstellbaren Mengen. Sauerstoff (O) entsteht in Sternen durch Fusionsprozesse und wird bei ihrem Tod über Supernovae in das Weltall hinausgeschleudert. Für Organismen entscheidend sind die chemisch-physikalischen Besonderheiten: Lösungseigenschaften, Wasserstoffbrücken und die Dichteanomalie.

Problemstellung:

Wasser lässt sich durch die Kombination von H2 und O bereits heute synthetisch herstellen. Praktisch steht aber der Energieaufwand im Weg, denn insbesondere die Trennung des atmosphärischen O2s verschlingt viel Energie. Statt Wasser künstlich herzustellen, sollten wir vorhandene Wasser-Ressourcen schützen und effizient managen.

Lösungsansätze/Innovationspotenziale:

Mikroelektronik kann hier als Enabler dienen, um mit präziser Sensorik und Steuerungstechnik Wasserressourcen zu analysieren und zu steuern. Sie macht Wasserqualität und -mengen messbar und kann mit einer soliden Datengrundlage die Allokation der knappen Ressource verbessern.

Weiterer Forschungs-/Entwicklungsbedarf / Aktuelle Projekte:

Eine große Chance für das Wassermanagement auf der Erde besteht im Transfer von Sensorik, Regelungstechnik und Kreislaufsystemen aus der Raumfahrt. In der nächsten Folge zum Thema Grundwasser wird dies ausgeführt.

 

Ulrich Köhler – Wasser im Sonnensystem

Situation:

Die Erde ist mit enormen Wasserressourcen gesegnet, doch in unserer planetarischen Nachbarschaft zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Mond könnte in seinen dunklen Polarkratern Eis halten. Venus und Merkur können aufgrund ihrer Hitze hingegen kaum oder kein Wasser haben. Auf dem Mars gibt es an den Polkappen große Eisvorkommen und unter seinen Gesteinsschichten wird sogar flüssiges Wasser vermutet. In der Vergangenheit gab es auch Flüsse und sogar Ozeane. Im äußeren Sonnensystem deuten bei einigen Jupitermonden Gezeitenkräfte auf flüssiges Wasser unter ihren Eiskrusten hin.

Problemstellung:

Das Wasser auf der Erde ist wahrscheinlich durch viele Kometen hierhin gelangt, doch eine Wassergewinnung aus Kometen wĂĽrde sich schwierig gestalten, da sie sehr mit anderen Partikeln verschmutzt sind. Sowohl bei Kometen, als auch bei planetarem Eis/Wasser sind die technologischen HĂĽrden bei der Prospektion, dem Abbau und dem Transport aufgrund der extremen Umweltbedingungen enorm hoch.

Lösungsansätze/Innovationspotenziale:

Auf dem Mond könnten die vorhandenen Wasserressourcen genutzt werden, um eine permanent genutzte Station zu versorgen. Mithilfe von elektrolytischer Spaltung könnte man aus den Bestandteilen des Wassers Treibstoff gewinnen, um bei aufbauenden Weltraummissionen Gewicht zu sparen.

Weiterer Forschungs-/Entwicklungsbedarf / Aktuelle Projekte:

Die Ressourcen- und Logistikplanung gestaltet sich als sehr schwer, zudem braucht es noch Verbesserungen in der Bohr- und Schmelztechnik und in der elektrolytischen Aufbereitung. Hier gibt es noch einigen Forschungs- und Entwicklungsbedarf.

Volker Schmid – Wassermanagement in Raumschiffen

Situation:

In Raumstationen wie der ISS gelangt Wasser zum einen über Transportkapseln in den Orbit und entsteht zugleich aus den Körperkreisläufen der Crew. Moderne Lebenserhaltungssysteme entziehen Luftfeuchte und recyclen Urin, filtern Schadstoffe und führen das wiedergewonnene Wasser anschließend dem Bordkreislauf wieder zu. So kann eine Wiederverwendungsquote von über 90 % erreicht werden. Historisch werden westliche Jod-Systeme und russische Silberionen-Systeme unterschieden.

Problemstellung:

Sowohl Jod als auch Silberionen sind nicht für alle Materialien verträglich, zudem sind die heutigen Systeme trotz >90 %-Effektivität nicht vollkommen autark. Langfristig muss weiterhin Frischwasser über Transportkapseln in die Raumstationen gebracht werden.

Für Missionen jenseits des Erdorbits, wo keine Logistikketten aufrechterhalten werden können, braucht es eine nahezu hundertprozentige Schließung des Recycling-Kreislaufs.

Lösungsansätze/Innovationspotenziale:

Theoretische könnten Basen auf dem Mond oder dem Mars Eisablagerungen an den Polkappen für die Herstellung von Treibstoff oder Nutzwasser verwenden. Für Raumschiffe ist die Verwendung von Kometen als Quelle kaum umsetzbar, was eine Verbesserung der bestehenden Wasserkreisläufe unabdingbar macht. Mikroelektronik kann hier helfen, durch Steuerung und Monitoring die Effizienz zu verbessern sowie bei der Fehlerdiagnose zu helfen.

 

Weiterer Forschungs-/Entwicklungsbedarf / Aktuelle Projekte:

Tests mit Pflanzen, Filtern und alternativen Verfahren laufen sowohl auf dem Erdboden als auch im Orbit bereits. Ein paralleles Ziel ist die höhere Resilienz gegen Betriebsstörungen. Viele der Forschungsprojekte können zudem übertragbare Verfahren für die Wassertechnik auf der Erde liefern.

Zur ersten Folge der zweiten Staffel – Hâ‚‚-Ohne geht es nicht! (Spotify):

In der zweiten Folge der neuen Staffel befassen wir uns intensiv mit dem Grundwasser unter unseren FĂĽĂźen, welches sich nur langsam regeneriert und in einem unglaublichen Tempo verbraucht wird.

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