#Chip Happens-Podcast: Staffel 3, Folge 5 | Der digitale Patient – Wie Mikroelektronik das Gesundheitswesen verändert

Große Probleme brauchen häufig ziemlich kleine Helfer. Der Podcast »Chip Happens – Kleine Dinge, die alles verändern« von Chipdesign Germany zeigt, wie Mikroelektronik und Chipdesign dabei helfen können, die drängenden Fragen unserer Zeit anzugehen – jederzeit nachvollziehbar und alltagsnah. Das Format richtet sich an alle, die verstehen wollen, wie Technik im Hintergrund wirkt und dennoch zentrale Weichen stellt. Kluge Köpfe aus der Branche sprechen hierfür mit Moderator Sven Oswald über ihre faszinierenden Geschichten, geben überraschende Einblicke und zeigen hautnah die vielen Möglichkeiten, die unser Fachbereich bietet. In der dritten Staffel »Mikroelektronik for Life« dreht sich alles um die Anwendung im Gesundheitsbereich. Von intelligenter Diagnostik über Wearables bis hin zu datengetriebener Medizin.

©Fraunhofer Mikroelektronik

Staffel 3, Folge 5 | Der digitale Patient – Wie Mikroelektronik das Gesundheitswesen verändert

In Folge 5 von »Chip Happens« geht es um die Frage, warum der Weg durch das Gesundheitssystem oft so kompliziert wirkt und wie Digitalisierung das ändern kann. Gemeinsam mit Jens Langejürgen vom Fraunhofer IPA zeichnen wir eine typische Patientenreise nach und stellen dar, wie digitale Prozesse, vernetzte Daten und Assistenzsysteme den Alltag in Medizin und Pflege erleichtern können.  Hans-Peter Bursig vom Fachverband ZVEI vergleicht die digitale Patientenakte mit einer Suchmaschine für die eigene Gesundheit: Sie hilft dabei, Therapien besser abzustimmen, Medikamente sicherer zu verordnen und Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden.

Worum geht es in der Folge?

Dr. Jens Langejürgen über die digitale Patientenreise

Situation:

Der Weg durch das Gesundheitssystem ist für viele Menschen komplex und fragmentiert. Patient:innen bewegen sich zwischen Hausarztpraxen, Fachärzten, radiologischen Untersuchungen und Kliniken. Oft müssen medizinische Informationen redundant übermittelt und Termine mühsam einzeln abgestimmt werden, während die relevanten Daten gleichzeitig an verschiedenen Orten verstreut liegen. Dieser Prozess ist für Patient:innen aufwendig und führt dazu, dass medizinische Informationen nicht immer dort verfügbar sind, wo sie benötigt werden.

Problemstellung:

Aufgrund der mangelnde Vernetzung werden Patient:innen unfreiwillig zu Koordinatoren, die Befunde und Bilddaten eigenverantwortlich zwischen den Einrichtungen übermitteln. Gleichzeitig entstehen erhebliche Belastungen für das medizinische Personal durch unvollständige Patienteninformationen und zusätzliche Dokumentationspflichten, die den Arbeitsalltag erschweren und wertvolle Zeit binden.

Lösungsansätze / Innovationspotenziale:

Digitale Technologien setzen genau an diesen Bruchstellen an, um die Patientenreise grundlegend zu optimieren. Statt einer reaktiven Behandlung ermöglichen präventive Systeme durch die Analyse von Bewegungsdaten eine frühzeitige Früherkennung, noch bevor Probleme entstehen. Die bisher mühsame Koordination wird durch automatisierte Terminverschränkungen und den nahtlosen, sicheren Datenaustausch zwischen den Einrichtungen ersetzt.

Auch im klinischen Alltag entlasten digitale Assistenzsysteme das Personal. Sie bündeln verstreute Informationen, zeigen individuelle Risiken auf und verbessern die Ressourcenplanung. Ergänzend dazu sorgen robotische Assistenzsysteme für eine Präzision und Personalisierung bei Eingriffen, die über konventionelle Methoden hinausgeht.

Weiterer Forschungs-/Entwicklungsbedarf:

Die grundlegenden Technologien existieren bereits, doch ihre Integration in bestehende Prozesse stellt eine große Herausforderung dar. Entscheidend ist, dass digitale Systeme sicher, interoperabel und akzeptiert sind. Neben technischen Fragen spielen daher auch organisatorische, regulatorische und kulturelle Aspekte eine wichtige Rolle.

Hans-Peter Bursig über die elektronische Patientenakte

Situation:

Ein zentraler Baustein der digitalen Patientenversorgung ist die elektronische Patientenakte (ePA). Sie soll medizinische Dokumente wie Befunde, Arztbriefe oder Medikationslisten an einem zentralen Ort zusammenführen und damit einen Überblick über die eigene Krankengeschichte ermöglichen.

Problemstellung:

Obwohl inzwischen ein Großteil der gesetzlich Versicherten in Deutschland eine elektronische Patientenakte (ePA) besitzen, wird sie bislang nur von wenigen aktiv genutzt. Viele Patient:innen wissen nicht, dass sie bereits über eine ePA verfügen oder wie sie darauf zugreifen können.

Lösungsansätze / Innovationspotenziale:

Die ePA ermöglicht es Patient:innen sowie Ärzt:innen, wichtige Informationen zentral einzusehen. Besonders relevant ist die Übersicht über verordnete Medikamente. Sie hilft dabei mögliche Wechselwirkungen frühzeitig zu erkennen und Behandlungen besser aufeinander abzustimmen. Patient:innen behalten zudem jederzeit die Kontrolle darüber, wer auf ihre Daten zugreifen darf.

Weiterer Forschungs-/Entwicklungsbedarf:

Damit die ePA ihr volles Potenzial entfalten kann, muss ihre Nutzung weiter verbreitet werden. Dazu gehört sowohl die technische Weiterentwicklung der Systeme als auch eine stärkere Information der Bevölkerung über ihre Möglichkeiten und Vorteile.

Digitalisierung als Chance für eine bessere Patientenversorgung

Die fünfte Folge der dritten Staffel zeigt, dass Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht nur Prozesse effizienter machen kann, sondern vor allem die Perspektive der Patient:innen verbessern soll. Wenn Daten sicher verfügbar sind und medizinische Abläufe besser vernetzt werden, können Behandlungen schneller und transparenter erfolgen.

Hier geht es zur fünften Folge der dritten Staffel – (Spotify)

In der nächsten Episode des Podcasts geht es um neue Ansätze in der Krebsbehandlung, darunter KI-gestützte Diagnostik und zellbasierte Therapien.

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