Der digitale Produktpass | Green ICT Courses

Die meisten kennen das Energieeffizienzlabel, das sich z. B. auf Waschmaschinen oder Geschirrspülmaschinen findet und Informationen über die Energieeffizienz des jeweiligen Gerätes gibt. Nach einem ähnlichen Vorbild wird aktuell am Digitalen Produktpass (DPP) gearbeitet, denn: Weltweit und insbesondere in der EU werden immer mehr Produkte in Umlauf gebracht und konsumiert. Oft fehlen aber wichtige Informationen über die Produkte auf dem Markt, die helfen können sie zu reparieren oder zu recyclen. Das wiederum führt zu einer geringen Zirkularität der Produkte. Hier soll der DPP ansetzen. Eduard Wagner, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IZM, erklärt in Teil sechs der Videoreihe zur Bewertung grüner IKT-Systeme, warum der DPP wichtig ist und welche Meilensteine es zu beachten gilt.

Politischer Hintergrund

Die Idee eines DPP tauchte zum ersten Mal 2019 im Zuge des European Green Deal auf und wurde bereits 2023 in der Verordnung »Ecodesign Richtlinie für nachhaltige Produkte (ESPR)« (englisch: Ecodesign for Sustainable Products Regulation) rechtlich verankert. Parallel zur ESPR entstand das Projekt »CIRPASS«, in dem die rechtliche Einführung des DPP begleitet wurde. Es handelt sich dabei um ein europäisches Projekt, an dem u. a. auch das Fraunhofer IZM beteiligt war. »CIRPASS« endete im März 2024 – seit Mai 2024 läuft das Nachfolgeprojekt »CIRPASS-2«. Die Informationen aus dem Video beziehen sich auf die erste Phase und das CIRPASS-Projekt an sich.

Ziele und Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette

Der DPP soll dabei helfen, entlang der gesamten Wertschöpfungskette Informationen über Produkte leichter zugänglich zu machen. An folgenden Stellen wird dabei angesetzt:

  • Unterstützung einer nachhaltigen Produktion: Informationen zur Zusammensetzung und Herkunft des Materials werden gesammelt (sowohl von Herstellenden von Materialien und Produkten als auch von Herstellenden und Lieferanten von Komponenten) und transparent gemacht.
  • Vereinfachung der Einhaltung: Das Einhalten von Vorschriften und Nachweisen sowie die Dokumentation sollen vereinfacht werden, um die Marktaufsicht zu unterstützen.
  • Konsumierende: Nachhaltige Kaufentscheidungen sollen leichter werden, indem Spezifikationen zur Produktnachhaltigkeit harmonisiert und vergleichbar dargestellt werden.
  • Ermächtigung der Nutzer:innen: Informationen über Nutzung, Wartung und Reparatur werden für Verbraucher:innen bereitgestellt.
  • Verbesserung von Recycling und Kreislaufwirtschaft: Es werden mehr Informationen zu Materialien und zur Zirkularität der Produkte zur Verfügung gestellt.

Drei Meilensteine

Für die Entwicklung des DPP sind drei zentrale Meilensteine definiert. Schritt eins ist die Regulierung: Dabei werden Konzept, Rahmen und Key Features des DPP festgelegt. Anschließend werden in Schritt 2 grundlegende technische Anforderungen, die der DPP enthalten soll, definiert. Beantwortet werden müssen u. a. folgende Fragen:

  • Wie kann man auf die Informationen zugreifen? (Datenträger)
  • Wer darf auf die Daten zugreifen?
  • Wie sollen die Daten gespeichert werden?
  • Wie kann Datenschutz gewährleistet werden und wie werden die Daten verarbeitet?

Dieser Schritt wird auch als Systemarchitektur bezeichnet.

Der letzte Schritt dreht sich um die delegierten Rechtsakte. Das bedeutet, für jede Produktgruppe müssen individuelle Anforderungen festgelegt werden, wie die Informationen, die der DPP liefert, präsentiert werden sollen. Neben Informationen, die die Herstellenden bereitstellen müssen, sollen auch Informationen zur Nutzungs- oder Reparaturhistorie berücksichtigt werden. Hierbei wird auch von der Informationsarchitektur gesprochen.

Herausforderungen

Herausforderungen ergeben sich u. a. hinsichtlich der Methoden und Indikatoren, die für den DPP zum Einsatz kommen sollen, beispielsweise die Berechnung des CO²-Fußabdrucks. Weitere Diskussionspunkte sind die unterschiedlichen Anforderungen an die verschiedenen Produktgruppen hinsichtlich des Detailgrads der Informationen und welche Materialinformationen relevant sind.

Im Video erfahrt Ihr noch mehr Details zu den beschriebenen Themen und Fragestellungen.

©Fraunhofer IZM

Sie möchten noch mehr zum Thema ressourceneffiziente Elektronik wissen?

Dann werfen Sie doch einmal einen Blick in die dritte Ausgabe unserer Magazins FMD.impuls.

Zu anderen Schulungsvideos der Reihe

FMD.institute mit Bezug zu diesem Text

FMD.projekte mit Bezug zu diesem Text