Produkt-Fußabdrücke Teil 1: Herausforderungen der Standardisierung | Green ICT Courses
In diesem Teil der »Green ICT Tutorials« stellt Jenny Zenker, Werkstudentin am Fraunhofer IZM, die Herausforderungen bei der Standardisierung von Produkt-Umwelt-Fußabdrücken vor. Sie beleuchtet die methodischen Schwachstellen aktueller Ökobilanzierungen im IKT-Sektor und erklärt, warum bestehende Normen für einen fairen Vergleich oft nicht ausreichen. Dieses Video ist der erste von zwei Teilen zum Thema Produkt-Fußabdrücke. Im zweiten Teil werden Product Environmental Footprint (PEF)-Standards und dessen Integration in die Forschungsarbeit des Fraunhofer IZM genauer beleuchtet.
Was ist ein Produkt-Umwelt-Fußabdruck?
Manchmal wird auf Produkten ein sogenannter ökologischer Fußabdruck in Form eines Labels oder einer grafischen Zusammenfassung verschiedener Umweltindikatoren angegeben. Ziel der Darstellung ist es, die Umweltauswirkungen eines Produkts zu bilanzieren, anschaulich zu kommunizieren und Konsument:innen dabei zu helfen, auf dieser Basis fundierte Kaufentscheidungen zu treffen.
Die Methode dahinter ist die Lebenszyklusanalyse (LCA), auch Ökobilanzierung genannt. Diese analysiert die Umweltauswirkungen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts, um verbrauchsintensive Hotspots zu finden und Produktdesignentscheidungen anzupassen.
Methodische Schwachstellen
Obwohl die EU davon ausgeht, dass Verbraucher:innen ökologische Fußabdruckangaben für Kaufentscheidungen heranziehen, weisen die aktuellen Berechnungen erhebliche Schwachstellen auf. Diese liegen insbesondere in den zugrunde liegenden methodischen Annahmen der Ökobilanzierung. Unterschiedliche Systemgrenzen, Datengrundlagen und Modellierungsentscheidungen können dazu führen, dass scheinbar vergleichbare Produkte in der Praxis nur eingeschränkt gegenübergestellt werden können. Dadurch entstehen Verzerrungen, die einen fairen Wettbewerb erschweren und gleichzeitig das Risiko von Greenwashing erhöhen.
Zwar existieren bereits viele Standards wie der Produkt-Kohlenstoff-Fußabdruck (PCF) oder der Produktlebenszyklus-Rechnungslegungs- und Berichtsstandard (GHG Protocol), diese sind jedoch häufig für spezifische Anwendungsfälle konzipiert und gewährleisten keine durchgängig vergleichbaren, produktspezifischen Regeln über verschiedene Produktgruppen hinweg.
Im IKT-Bereich haben sich daher ergänzende methodische Ansätze entwickelt, die diese Lücken adressieren sollen. Wichtige Beispiele hierfür sind:
- IEC TR 62921: Von der Internationalen Elektrotechnischen Kommission eingeführt, um die CO₂-Bilanzierung im IKT-Sektor zu rationalisieren und produktbezogene Treibhausgasattribute festzulegen.
- PAIA: Vom MIT (Massachusetts Institute of Technology) entwickelt. Eine Methode, die die IEC TR 62921 umsetzt. Sie ist der bevorzugte Ansatz vieler Hersteller für große Produktportfolios, um die Kriterien des IT-Umweltsiegels EPEAT zu erfüllen.
- EN IEC 63366 & weitere PCRs: Diese Norm spezifiziert Produktkategorieregeln (PCR) für Elektronikprodukte, verweist aber auf die Notwendigkeit produktspezifischer Regeln (PSRs). Drei weitere IKT-PCRs existieren zwar, werden bei IT-Endverbrauchergeräten aber selten befolgt.
Der Weg zum Produkt-Umwelt-Fußabdruck (PEF)
Die Europäische Kommission hat einen Prozess zur Standardisierung von Ökobilanzen unter dem Begriff »Product Environmental Footprint« (PEF) eingeleitet. Auf Basis eines 2018 veröffentlichten Leitfadens wurden bereits mehrere Product Environmental Footprint Category Rules (PEFCRs) entwickelt, unter anderem für IT-nahe Produktgruppen wie Batterien und unterbrechungsfreie Stromversorgungen. Für zentrale Endgeräte wie Laptops und Desktop-Computer liegen bislang jedoch noch keine spezifischen PEFCRs vor.
Dass neuere Normen wie die EN IEC 63366 bereits auf den PEF-Ansatz verweisen, deutet auf eine schrittweise Annäherung und Harmonisierung der unterschiedlichen Methodensysteme hin.
Trotz der Vielzahl an bestehenden Normen bleiben weiterhin methodische Herausforderungen bestehen. Die Forschungsarbeit des Fraunhofer IZM setzt genau hier an, um produktübergreifende und methodisch konsistente Standards für Laptops, Standardcomputer und Rechenzentren weiterzuentwickeln. Im zweiten Teil wird dieser Ansatz näher erläutert.
Für mehr Informationen lohnt sich ein Blick ins Video.