Produkt-Fußabdrücke Teil 2: Screening und aktuelle Fragestellungen | Green ICT Courses

Jenny Zenker, Werkstudentin am Fraunhofer IZM, erläutert in diesem Green ICT Tutorial der Green ICT Schulungsvideoreihe das Umweltprodukt-Fußabdruckkonzept der Europäischen Union, den Product Environmental Footprint (kurz PEF), sowie das dazugehörige Standarddokument – die Product Environmental Footprint Category Rules (PEFCR). Zudem zeigt sie auf, wie sich die aktuelle Forschungsarbeit des Fraunhofer IZMs in regulatorischen Rahmen integriert. Das Video knüpft an dem ersten Teil zu Umwelt-Produktfußabdrücken (UMPF) an, in dem aktuelle Herausforderungen am Beispiel von Laptops beleuchtet wurden.

Was sind PEF und PEFCR?

Der PEF-Ansatz der Europäischen Union dient als einheitliche Methode, um die Umweltwirkungen von Produkten verlässlich und vergleichbar zu bewerten. Ein zentraler Bestandteil ist dabei die PEFCR. Dieses spezifische Regelwerk legt exakt fest, wie die Umweltauswirkungen innerhalb einer bestimmten Produktkategorie zu messen und zu berechnen sind.

In der aktuellen Forschungsarbeit des Fraunhofer IZM bilden die allgemeinen PEF-Rahmenbedingungen sowie die ISO-Normen 14040 und 14044 die gemeinsame methodische Grundlage. Für die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) sind die offiziellen PEFCR-Vorgaben bisher jedoch zu allgemein, um eine verlässliche Vergleichbarkeit von Produkten sicherzustellen. Genau hier setzt das Forschungsprojekt an. Es nutzt die bestehenden Regeln, ergänzt sie aber um detailliertere Vorgaben für die IKT-Branche. Dabei ist entscheidend, dass keine der bestehenden PEF- oder ISO-Regeln verletzt werden. Das hilft Unternehmen, die Bestimmungen präzise umzusetzen, und erleichtert zugleich eine mögliche spätere Übernahme dieses Standards als ein offizielles Regelwerk der EU.

Der Prozess zur Erstellung einer PEFCR

Ein offizieller PEFCR-Prozess ist sehr umfassend und dauert in der Regel etwa zwei Jahre. In der Forschungsarbeit des Fraunhofer IZM konnte jedoch ein zeitsparenderer Ansatz verfolgt werden. Durch die enge Zusammenarbeit mit Expert:innen und herstellenden Unternehmen stand bereits ein umfangreiches Fachwissen zur Verfügung, so dass der Prozess verkürzt werden konnte. Der methodische Ablauf gliedert sich in fünf zentrale Phasen, die von der ersten Definition bis zur finalen Validierung reichen:

1. Produktbeschreibung

  • Genaue Beschreibung von Produkt/Produktkategorie (Funktionen, Eigenschaften, Lebenszyklus).
  • Festlegung der Systemgrenzen (z. B. von der Rohstoffgewinnung über die Produktion bis hin zur Entsorgung).
  • Auswahl repräsentativer Produkte zur beispielhaften Abdeckung.

2. Durchführung von Screening Studies

  • Neuauswertung bestehender Ökobilanzen nach den Vorgaben der generellen PEF-Methodik.
  • Ermittlung der relevantesten Lebenszyklusphasen, Prozesse, Wirkungskategorien und Bauteile.
  • Anwendung der 80%-Regel: Fokus auf Faktoren, die mindestens 80 % des gesamten Einflusses abdecken (z. B. Nutzungsphase und Lebenswegende).

3. Festlegen von methodischen Vorgaben

  • Definition detaillierter Regeln für die Berechnung der Umweltauswirkung auf Grundlage spezifischer Indikatoren (z. B. CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch, Energieaufwand).
  • Festlegung zusätzlicher Datenquellen (Unternehmensdaten, wissenschaftliche Datenbanken, Literaturwerte) sowie Anforderungen an Datenqualität und Datenverfügbarkeit.
  • Formulierung produktspezifische Zusatzanforderungen an Datenerhebung, Lebenszyklusanalyse oder Berichtspflichten.

4. Konsultation

  • Dokumentation aller Vorgaben in einem ersten Bericht.
  • Diskussion der Inhalte durch Stakeholder innerhalb eines Konsultationszeitraumes.

5. Durchführung von Supporting Studies und Verifikation

  • Durchführung einer Ökobilanzstudie zur Prüfung der Vorgaben auf Machbarkeit, Relevanz und Angemessenheit.
  • Gezieltes Aufdecken von Schwachstellen bzw. Bestätigung der Methode.
  • Abschließende Validierung zur Sicherung der Anforderungen und Zuverlässigkeit der Ergebnisse.

Anwendungsbeispiel: Laptops

Wie diese Relevanz in der Praxis ermittelt wird, zeigt eine Screening-Untersuchung von zwei Laptop-Modellen verschiedener Hersteller. Nach der PEF-Methode müssen die wichtigsten Wirkungskategorien zusammen mindestens 80 % der gesamten Umweltauswirkung abdecken. Beim Modell von Firma 1 erfüllten drei Wirkungskategorien dieses Kriterium, beim Modell der Firma 2 waren es sechs. Da die Kategorien von Firma 1 vollständig in denen von Firma 2 enthalten waren, wurden für die Forschungsarbeit alle sechs Kategorien als relevant eingestuft. Das gleiche Auswahlverfahren wurde auch für Lebenszyklusphase, Prozesse und Komponenten angewendet. Neben Laptops wurden im Projekt bereits Standcomputer und Rechenzentren ausgewertet.

Statt im Daten-Chaos zu versinken, filtert dieses Screening mathematisch fundiert die wesentlichen Hebel heraus, die den größten Unterschied für die Umwelt ausmachen. Auf dieser Basis entsteht ein verlässlicher PEFCR-Standard, der eine faire, branchenweite Vergleichbarkeit sichert. Für den Erfolg des Prozesses bleibt die Einbindung von Stakeholdern über Workshops eine zentrale Säule.

Für mehr Informationen lohnt sich ein Blick ins Video.

©Fraunhofer IZM

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