Hightech Agenda Deutschland | Mikroelektronik als Schlüsseltechnologie für Deutschland und Europa

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Die Hightech Agenda Deutschland (HTAD) wurde bereits im Koalitionsvertrag von der CDU/CSU (die Union) und der SPD als ein zentrales Element für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands benannt, denn durch sie sollen neue Wege in der Forschungs- und Innovationsförderung geschaffen und organisiert werden. Nach zahlreichen Stakeholder-Dialogen u. a. mit Vertreter:innen aus Forschung, Industrie und Verbänden wurden nun Ende Mai 2026 in Berlin die finalen Roadmaps der 6 Schlüsseltechnologien der HTAD präsentiert, zu denen auch die Mikroelektronik gehört. Ein guter Anlass, einen genauen Blick auf diese Roadmap und die HTAD zu werfen.

Key Takeaways des Artikels

Situation:

 

  • Deutschland muss seine Zukunftsfähigkeit und technologische Souveränität sichern. Dafür wurde die »Hightech Agenda Deutschland« (HTAD) ins Leben gerufen
  • Ende Mai 2026 wurden in Berlin die sechs Roadmaps zu den Schlüsseltechnologien präsentiert
  • Die Mikroelektronik ist eine davon. Als Querschnitts- und Enabling-Technologie kommt ihr eine ganz besondere Rolle zu

Problemstellung:

 

  • Während Deutschland bei wissenschaftlichen Publikationen in der Mikroelektronik ordentliche Ergebnisse erzielt, gibt es deutliche Defizite bei der Anzahl der Patente. Dies deutet im internationalen Vergleich auf Defizite im Transfer hin
  • Es fehlen konkrete Ansätze für regulatorische Vereinfachungen und Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Transfer und  Skalierung von der innovativen Idee hin zur industriellen Anwendung beschleunigen
  • Die Branche ist extrem kapitalintensiv und benötigt große Infrastrukturen. Ohne eine starke europäische Zusammenarbeit, z. B. im Rahmen des EU Chips Act, lassen sich kritische Abhängigkeiten in den Lieferketten nicht reduzieren

Entwicklung und Ausblick:

  • Durch die HTAD wird Mikroelektronik als industriepolitisches Zukunftsfeld verankert, das Forschung, Fertigung und Wettbewerbsfähigkeit zusammendenkt
  • Die Roadmap setzt gezielt auf die Themen Chipdesign sowie  Advanced Packaging. Das soll den Transfer vom Labor in die Industrie genau dort stärken, wo heute die meiste wirtschaftliche Wertschöpfung entsteht
  • Statt einer reinen Konzentration auf kleinste Strukturgrößen, die sehr hohe Fördersummen erfordern würde, orientiert sich die Strategie an bestehenden europäischen Stärken, z. B. in den Branchen Automotive und Industrial, um dort gezielt Marktanteile und die technologische Resilienz zu erhöhen

Beschleunigter Transfer: Von der Idee zum Produkt

Die Grundidee der HTAD ist klar: Der Weg von der Forschung in die wirtschaftliche Verwertung soll erleichtert werden. Aus guten Ideen sollen schneller neue Produkte, Anwendungen und Märkte entstehen. Definiert wurden dazu 6 Schlüsseltechnologien: Mikroelektronik, KI, Quantentechnologien, Biotechnologie, Fusion und Batterietechnologie. Der Mikroelektronik kommt dabei eine entscheidende Rolle zu: Als Enabling- und Querschnitts-Technologie ermöglicht sie es, auch in anderen Bereichen wie Quantentechnologien oder KI wirtschaftliche Potenziale zu hebeln und stärkt so langfristig Deutschlands Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit.

Die Roadmap Mikroelektronik im Überblick

Die Roadmap Mikroelektronik setzt vier zentrale Ziele:

  1. Erstens soll Deutschland leistungsfähige Chips »Designed in Germany« ermöglichen und zu einem europäischen Zentrum für Chipdesign werden. Designkompetenz ist entscheidend, weil Wertschöpfung in der Mikroelektronik nicht allein in der Fertigung entsteht.
  2. Zweitens soll der Transfer vom Labor in die industrielle Umsetzung gestärkt werden, insbesondere im Bereich Advanced Packaging. Neue Technologien benötigen Reinräume, Testumgebungen, Prozesswissen, Pilotierung und hohe Investitionen, bevor sie industriell nutzbar werden.
  3. Drittens sollen deutsche und europäische Mikroelektronik-Unternehmen gestärkt und Marktanteile erhöht werden. Technologische Souveränität entsteht nicht durch Forschung allein, sondern durch wirtschaftlich tragfähige Wertschöpfung.
  4. Viertens sollen die Resilienz der Lieferketten verbessert und kritische Abhängigkeiten in der Chipversorgung reduziert werden.

Sie verbindet diese Ziele mit zeitlich fest definierten Meilensteinen, gibt Umsetzungspartner an und definiert Indikatoren und Zielmarken. Entscheidend ist, wie die konkrete Umsetzung erfolgt: An einigen Stellen beschreibt die Roadmap eher Maßnahmen als konkrete Wirkungen.

Inhaltlich knüpft die Roadmap für Mikroelektronik an die langfristigen Ziele der Mikroelektronik-Strategie der Bundesregierung an, die gemeinsam vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) entwickelt wurde. Positiv ist die enge Zusammenarbeit beider Ministerien in diesem Feld: Mikroelektronik wird nicht nur als Forschungsthema verstanden, sondern als industriepolitisches Zukunftsfeld, in dem Forschung, Transfer, Fachkräfte, Fertigung und Wettbewerbsfähigkeit zusammengedacht werden.

Inhaltlich liegt der Fokus unter anderem auf Chipdesign und dem Transfer in die industrielle Anwendung, insbesondere im Bereich Advanced Packaging. Daneben spielen Fachkräfte und Fertigung eine zentrale Rolle. Für die FMD ist diese Ausrichtung unmittelbar relevant: Mit dem Netzwerk Chipdesign Germany und der APECS Pilot Line im Rahmen des EU Chips Acts übernimmt sie bereits heute zentrale Aufgaben, die direkt auf die Ziele der Roadmap einzahlen.

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Dass eine solche Fokussierung notwendig ist, unterstreicht auch die EFI – Expertenkommission Forschung und Innovation in ihrem aktuellen Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands über die HTAD-Themen. Die Konzentration auf ausgewählte Technologien wird hierbei grundsätzlich positiv bewertet. Auch aus Sicht der FMD ist das richtig. Technologische Resilienz entsteht durch klare Prioritäten, gezielte Investitionen und den Ausbau vorhandener Stärken. Zugleich verweist die EFI auf eine zentrale Herausforderung: Deutschland erzielt bei Publikationen in der Mikroelektronik ordentliche Ergebnisse, zeigt aber bei der Anzahl der Patente Schwächen. Das kann auf Defizite beim Transfer hinweisen. Im internationalen Vergleich wird sichtbar, dass andere Staaten und Regionen bei Publikationen und Patentanmeldungen teils deutlich höheren Output erzielen.

Genau an dieser Stelle möchte die HTAD ansetzen. Die Praxis zeigt, dass nicht nur die Frage nach ausreichender finanzieller Förderung relevant ist. Auch regulatorische Vereinfachungen sind ein entscheidender Hebel, um wirtschaftliche Potenziale schneller nutzbar zu machen.

Aus der Perspektive der angewandten Forschung ist hier beispielsweise das Innovationsfreiheitsgesetz zu nennen. Dieses Gesetz würde Forschungsorganisationen unter anderem dabei helfen, rechtssicher Kleinserien in Zusammenarbeit mit Kunden herstellen zu können. Hintergrund ist, dass in der Mikroelektronik häufig Kleinserien für spezifische Anwendungen benötigt werden, die für große Unternehmen wirtschaftlich nicht interessant sind. Um in solchen Fällen von Marktversagen einspringen und Innovationen weiterentwickeln zu können, braucht es eine Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Auf diese Weise werden der Transfer und die Skalierung von der innovativen Idee hin zur industriellen Anwendung beschleunigt und die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des Standorts Deutschland langfristig gestärkt.

Auch praxistaugliche IP-Regelungen sind wichtige Hebel, für die es klare Rahmenbedingungen braucht. Diese beiden regulatorischen Aspekte werden aktuell in der Roadmap Mikroelektronik nicht benannt, bilden aber wichtige Erfolgsfaktoren für einen schnellen und erfolgreichen Transfer von Forschung in die Industrie.

Weil Mikroelektronik kapitalintensiv ist und große Infrastrukturen benötigt, braucht es zudem eine starke europäische Zusammenarbeit, etwa im Rahmen des EU Chips Act und der IPCEI-Programme.

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Einordnung und Ausblick

Positiv ist, dass Mikroelektronik in der Roadmap ganzheitlich und entlang der Wertschöpfungskette gedacht wird. Vorhandene Stärken sollen gestärkt, neue strategische Positionen entwickelt werden. Eine reine Konzentration auf kleinste Strukturgrößen würde dem europäischen Markt aktuell nur bedingt entsprechen und sehr hohe Fördersummen erfordern.

Wichtig ist es, die Märkte und Kompetenzen in den Blick zu nehmen, in denen Deutschland und Europa bereits stark sind. Bereiche wie Automotive oder Industrial benötigen zum Beispiel immer häufiger spezifische Designs, bei denen System und Technologie von Beginn an zusammengedacht werden. Auch neue Packaging-Lösungen gewinnen stets stärker an Bedeutung, weil sie viele Funktionalitäten integrieren können. Hier werden entsprechend Bedürfnisse adressiert, die erst einmal unabhängig von Strukturgrößen von übergeordneter Bedeutung sind.

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Die FMD versteht sich als aktiver Umsetzungspartner für die Hightech Agenda Deutschland. Sie bündelt Kompetenzen und Infrastrukturen führender Forschungsinstitute und schafft Zugang zu Technologien, die für Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen allein oft schwer zugänglich sind.

Ihr Beitrag liegt in der Verbindung von Infrastruktur, Expertise und Transferfähigkeit. Die FMD kann Bedarfe aus Industrie und Forschung aufnehmen, Entwicklungspfade sichtbar machen, Demonstratoren ermöglichen und den konkreten Übergang in industrielle Anwendung unterstützen und damit die Ziele der Agenda voranbringen.

Die geplante Einrichtung eines zentralen Kompetenzzentrums Chipdesign, die Hervorhebung der Bedeutung von Transfer, die Rolle der APECS-Pilotlinie und der Fokus auf Advanced Packaging als Zukunftstechnologie sind zu begrüßen. Hier liegen große Potenziale, bei deren Umsetzung die FMD ihre Expertise gezielt einbringen kann.

Fazit

Mit der Erstellung der Roadmaps ist ein wichtiger Schritt der HTAD getan, um Forschung, Innovation und technologische Resilienz stärker zusammenzudenken. Für die Mikroelektronik als Querschnittstechnologie und Möglichmacher für weitere Schlüsseltechnologien gilt dies ganz besonders.

Entscheidend wird nun sein, ob aus den Zielen der Roadmap konkrete Wirkung entsteht. Dafür braucht es langfristige Orientierung und Förderung, koordinierte Strukturen, europäische Einbindung, praxistaugliche rechtliche Rahmenbedingungen und konsequenten Transfer vom Labor in die Anwendung.

Der Anfang ist gemacht und mit der Hightech Agenda Deutschland der strategische Rahmen gesetzt. Jetzt geht es darum, gemeinsam mit allen Stakeholdern schnell die nächsten Schritte für die Zukunft des Mikroelektronik-Standorts Deutschland zu gehen.

Wer über die Hightech Agenda Deutschland, den EU Chips Act und weitere aktuelle nationale und internationale Entwicklungen in der Mikroelektronik nicht nur informiert bleiben, sondern diese Diskussion auch mit relevanten Akteuren aus Industrie, Forschung und Politik führen will, findet bei FIRST by FMD am 30. September und 1. Oktober 2026 in EUREF-Campus Berlin den passenden Rahmen. Dort lassen sich zentrale Trends der Branche einordnen und Kontakte für zukünftige Kooperationen knüpfen. Wir freuen uns auf euch vor Ort!

Zur Agenda und Anmeldung geht es hier.

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