Werkzeuge und Methoden für nachhaltiges Design | Green ICT Courses
In diesem Teil der Green ICT Courses stellt Ronja Scholz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer IZM, konkrete Werkzeuge und Methoden vor, mit denen sich Produkte von Anfang an nachhaltig und kreislaufgerecht entwickeln lassen. Sie zeigt, wie wichtig es ist, Nachhaltigkeit früh mitzudenken, um Umweltauswirkungen zu reduzieren, ohne dabei Kosten oder Qualität zu beeinträchtigen.
Wirkungsabschätzung
Eine fundierte Wirkungsabschätzung bildet die Grundlage, um ökologische Potenziale zu erkennen und die richtigen Entscheidungen im Entwicklungsprozess zu treffen. Besonders geeignet ist dafür die Lebenszyklusanalyse (LCA), die den gesamten Produktlebenszyklus von der Herstellung bis zum Ende der Nutzung erfasst und so die umfassendsten Daten zu Umweltauswirkungen liefert. Wenn eine Lebenszyklusanalyse (LCA) nicht durchgeführt werden kann, stehen Alternativen wie Benchmarks, Checklisten, KPIs oder Scoring-Modelle zur Verfügung, die Orientierung bieten und erste Verbesserungsansätze sichtbar machen. Ergänzend gibt es hierzu digitale Werkzeuge wie Benchmark-Tools, die den Prozess strukturieren und interaktiv unterstützen. Das Softwarewerkzeug ECODESIGN PILOT der Technischen Universität Wien führt Nutzer:innen durch einen Fragenkatalog zu Produktmerkmalen und bietet darauf basierend gezielte Hinweise sowie konkrete Lösungsansätze für ein nachhaltigeres Design an.
Festlegung von Nachhaltigkeitszielen
Die Erkenntnisse müssen in klare Ziele überführt werden. Von zentraler Bedeutung ist die Festlegung eines Nachhaltigkeitsziels, das den größten Hebel auf die Umweltwirkungen ausübt. Die Entwicklung des Fairphone 2 dient als Beispiel dafür, wie durch eine gezielte Fokussierung auf Langlebigkeit und modulare Bauweise ein zentrales Nachhaltigkeitsziel erfolgreich umgesetzt werden kann. Statt sich auf punktuelle Verbesserungen wie die Optimierung von Materialien oder Verpackungen zu beschränken, verfolgte das Unternehmen einen ganzheitlichen Ansatz, der dadurch eine deutlich längere Nutzungsdauer der Geräte ermöglicht und damit einen wesentlich größeren ökologischen Effekt erzielt.
Methoden und Tools
Für die Ideenfindung und Konzeptentwicklung stehen verschiedene Werkzeuge zur Verfügung: Der Lifecycle Design Canvas strukturiert Produktkonzepte systematisch; Die Circular Design Tools aus Italien liefern konkrete Strategien wie Repair oder Reuse; und das CI-Tool, das ähnlich dem Business Model Canvas funktioniert identifiziert Wertschöpfungspotenziale in der Circular Economy. Auch dienstleistungsbasierte Geschäftsmodelle gewinnen zunehmend an Bedeutung, da sie die Ressourcennutzung verlängern und vom Verbrauch entkoppelt sind.
Rahmenbedingungen und Evaluation
Auch wenn es keine Werkzeuge per se sind, spielen auch gesetzliche Vorgaben und Regularien eine stetig wachsende Rolle. Aus neuen Gesetzen und Verordnungen ergeben sich konkrete Produktanforderungen; aktuell bewegt sich die Diskussion insbesondere um das Recht auf Reparatur.
Weitere Informationen finden Sie im Video.
Zu den anderen Schulungsvideos der Videoreihe
1. Ökobilanz – Wirkungsabschätzung
…
12. Batterien Teil 2: Zusammensetzung und Recycling
13. Batterien Teil 3: Welche Recycling-Technologien gibt es?
14. Nachhaltige Aufbau- und Verbindungstechnologien (AVT)
15. Circular Economy – Designprozess Grundlagen